TO THE WONDER

 

VOM ARCHITEKURBÜRO ZUM UNTERNEHMEN

Szenische Darstellung einer Transformation

Personen

Ein Mann (Architekt) 

Eine Frau (Coach, Mentorin) 

Umgebung

Café Paris- Hamburg

Handlung

Ein Architekt auf der Suche nach mehr Erfolg 

Szene 1  

Mir und meinem Büro ginge es bedeutend besser, wenn ich, was weiß ich, zum Beispiel Bjarke Ingels oder David Chipperfield heissen würde. Die Frage ist nur: Wie kann ich so erfolgreich werden wie Ingels oder Chipperfield?

Gute Frage. Da hast Du Dir ja gleich zwei Prachtexemplare als Beispiele ausgesucht. Dahin zu kommen ist doch nahezu unmöglich, oder? Also, ich weiß es ja nicht, aber ich kann mir vorstellen, dass auch es ganz schön belastend sein kann, mit so einem Wunsch durch die Welt zu laufen. Da wäre ich an Deiner Stelle auch frustriert. Warum eigentlich gerade diese beiden?

Na ist doch klar. Die haben es geschafft. Sie sind erfolgreiche und berühmte Architekten.

Ja, schon klar. Das Blöde ist halt, nun bist Du weder Ingels noch Chipperfield. Mag sein, Du denkst, das alleine garantiert schon, dass Du nicht berühmt und erfolgreich werden kannst. Könnte ja sein. 

Bitter, aber wahr.

Naja, wir könnten jetzt den Umstand, dass Du weder der Eine noch der Andere bist, beklagen. Ich vermute, das würde eine ziemlich traurige Veranstaltung werden und ich glaube, deswegen bist Du nicht hier. Wir könnten also stattdessen mal so tun als ob Du so erfolgreich bist, wie Du es gerne sein würdest. Hast Du Lust?

Lacht. Von mir aus. 

Du lachst. Das ist gut. Mit Humor geht alles leichter. Und leicht macht Spaß. Das hast Du sicher auch schon mal erlebt, dass Dir etwas total leicht gefallen ist, fast so, als würde es ganz von selbst gehen. Okay, mal sehen. Woran würdest Du denn erkennen, dass Du so erfolgreich bist, wie Du es gerne wärest?

Wenn ich richtig gut verdiene und wenn ich mir aussuchen kann, welche Aufträge ich annehme, betrachte ich das als Erfolg.

Woran erkennst Du es sonst noch?

Wenn ich mich nicht mehr auf die Suche nach guten Mitarbeitern machen muss und sich stattdessen junge Architekten um einen Job in meinem Büro reißen.

 Und woran noch?

Wenn ich nicht mehr gefühlt rund um die Uhr arbeite und mir Zeit nehmen kann für meine Interessen und für meine Familie. Ja, und ich merke es daran, dass ich von Menschen angesprochen werde, von potentiellen Kunden meine ich. Ich akquiriere nicht mehr. Genau! Ich mach das nicht mehr, das ist eh viel zu mühsam. 

Ich mache Dir jetzt gleich einen Vorschlag, der mag Dir vielleicht ein bisschen merkwürdig vorkommen und Du brauchst schon eine Menge Fantasie. Aber ich vermute, das fällt Dir leicht. Schliesslich bist Du ja sozusagen von Haus aus kreativ und hast eine stark ausgeprägte Vorstellungskraft. Bist Du bereit?

Ja, sicher. Jetzt bin ich gespannt.

Also, stell Dir vor, Du wachst morgen früh auf, stehst auf, machst Dir einen Kaffee, Du frühstückst vielleicht noch eine Kleinigkeit und tust, was Du so tust an einem ganz gewöhnlichen Morgen. Dann irgendwann machst Du Dich auf den Weg zur Arbeit.  

Du betrittst Dein Büro und Du bist genau so erfolgreich, wie Du es Dir wünschst. Einfach so. Über Nacht. 

 Inside Bjarke Ingels - Office/ Bildrechte Bjarke Ingels

Inside Bjarke Ingels - Office/ Bildrechte Bjarke Ingels

Dein Terminkalender zeigt Dir für diesen Tag ein einstündiges Meeting mit der Managerin Deines Büros und zwei weitere Termine, einer zum Mittagessen und einer zum Abendessen mit potentiellen Kunden. Deine Managerin berichtet zum Beispiel über einen neuen Mitarbeiter, der eine echte Bereicherung für das Büro ist. Sie setzt Dich in Kenntnis über den Stand der laufende Aufträge, extrem hilfreiche Neuerungen in der Büroorganisation und über neue Abschlüsse, die Dein Büro für die nächsten drei bis vier Jahre aussschliesslich mit Projekten versorgen, die zu Dir und Deinem Unternehmensprofil passen. So in etwa. Wäre das eine gute Vorstellung?

Unbedingt. Das klingt zu schön um wahr zu sein. 

Jaja, ich weiß. Das wäre tatsächlich ein echtes Wunder. Und es ist geschehen. Einfach so, über Nacht. Wie findest Du das?

Das finde ich richtig gut.  

Gut. Dann beschreibe doch mal, was an diesem Morgen anders ist als sonst und woran Du das erkennst.

Also, das Erste, was mir einfällt ist, ich fühle mich großartig. Schliesslich geht der Tag super los. Du hast mir eine Managerin an die Seite gestellt. Das gefällt mir. Ich fühle mich sofort extrem erleichert. 

Woran erkennen denn zum Beispiel Deine Mitarbeiter, dass sich etwas verändert hat?

Nach dem Gespräch mit meiner Managerin habe ich noch etwas Zeit und mache eine Runde durchs Büro. Ich habe richtig gute Laune. Wenn ich mich umschaue, dann komme ich mir vor, als stünde ich mitten in einem Bienenstock. Es brummt und summt, alle sind fokussiert auf ihre Arbeit. Ich beobachte genau die Arbeitsatmosphäre, von der ich immer geträumt habe. 

Dann rede ich kurz mit jedem meiner Mitarbeiter, frage, wie es ihm oder ihr geht. Mir fällt auf, dass ich nichts Fachliches mit ihnen bereden will und ich sehe, dass das meine Mitarbeiter entspannt. Die gucken auf einmal ganz anders als sonst. Wenn ich ehrlich bin, dann muss ich zugeben, dass meine Mitarbeiter weit mehr über die Projekte, an denen sie arbeiten, wissen, als ich. Ich glaube, was meinen Mitarbeitern auf jeden Fall auffällt ist, dass ich nichts zu den Projekten sage. Deshalb gucken die auch so entspannt.

Lacht. Das ist neuVor allem für mich. Wirklich! Das kam jetzt einfach so raus. Ich glaube, da gibt es eine große Sehnsucht in mir, mal loszulassen. Das ist echt richtig erleichternd. 

Was ist noch anders?

Danach setze ich mich an meinen Schreibtisch und mache mir ein paar Notizen zu den potentiellen Kunden, die ich an diesem Tag treffen werde.  

Das klingt spannend. Was schreibst Du da so auf?

Gute Idee, ne? Ja, finde ich auch. Tja, und jetzt wird’s schwierig.

Warum wird es schwierig?

Hm. Was fällt mir dazu ein? Ich kann mir Gedanken darüber machen, wie ich meine Ideen am besten verkaufe, also, wie ich den potentiellen Kunden verständlich machen werde, was ich zu bieten habe. Ich bringe vielleicht schon ein paar Skizzen mit, erläutere was wir vorhaben und...

Warte bitte mal einen Moment. Was ich eingangs nicht erwähnt habe, was jedoch ganz wesentlich ist, ist Folgendes: tun wir mal so, als wüsstest Du noch nichts über ein konkretes Projekt. Da ist einfach jemand auf Dein Büro aufmerksam geworden, hat sich mit Dir in Verbindung gesetzt und will für den Anfang nicht mehr, als Dich kennenlernen. Du hast also keine Ahnung, worum es genau geht, ausser, dass da jemand einen Architekten sucht. Wir beide wissen jedoch, dass es einen bestimmten Grund dafür gibt, dass dieser Mensch Dich kennenlernen will. Schliesslich bemühen wir hier Deine Fantasie. Da ist alles möglich. Vermutlich spielen Deine und die gebündelte fachliche Kompetenz Deines Büros eine Rolle, doch nicht die ausschlaggebende. Auf der Suche nach einem Architekten, der - und jetzt kommt´s- zu ihm passt, ist es für diesen Mensch einfach mal ganz klar, dass er selbstverständlich nur einen Architekten beauftragt, der sein Fach versteht. Und dass Dein Büro fachlich sehr gut ist, das weiß er. Du hast vermutlich eine Bürowebsite, auf der man Eure Projekte anschauen kann und vielleicht hast Du auch etwas darüber geschrieben, wie Ihr Eure Arbeit macht. 

Ja, sowas haben wir. 

Ist es eigentlich okay, wenn ich mich hier mal so ein bisschen dramaturgisch betätige? 

Das ist okay. 

Also gut. Vorhang auf, Szenario eins:

Ihr sitzt Euch gegenüber, Dein potentieller Kunde und Du. 

 Café Paris- Hamburg

Café Paris- Hamburg

Du fällst gleich mit der Tür ins Haus und textest den armen  Menschen mit allen vermeintlich wichtigen Informationen über Deine Projekte und so weiter zu. Ich weiß, dass viele Deiner Berrufskollegen genau so verfahren. Ich weiß auch, dass diese Herangehensweise hier und da von potentiellen Auftraggebern als unvermeidbares Übel hingenommen wird. Da hört man dann halt mal mit halbem Ohr hin, obwohl man sich längst auf der Website die Projekte angesehen hat und ja, die sehen alle ganz ordentlich aus usw.  Von manchen wird diese selbstbezogene Darstellung jedoch als regelrechte Zumutung empfunden. In dem Fall ist es von Vorteil, dass die meisten Menschen zu gut erzogen sind, um in solchen Momenten offen einzugestehen, dass sie sich zu Tode langweilen. Obwohl, naja, manchmal wäre das schon hilfreich und es würde viel weniger Rechtsstreitigkeiten geben.  Also, das vermute ich mal. Doch hier sitzt nun einer, der ist klug und der will mehr. Der hat Dein Büro ausgewählt, weil er, noch ohne Dich persönlich zu kennen, eine Verbindung gespürt hat. Klingt das interessant?

Na klar. Ich hab zwar noch keine Ahnung, was Du mit Verbindung meinst, aber da kommen wir sicher noch zu.

Genau. Du hast zu Beginn unseres Gesprächs gesagt, Du erkennst, dass Du Dein Architekturbüro erfolgreich führst unter anderem daran, dass Du nicht mehr gefühlt rund um die Uhr arbeitest und Dir Zeit nehmen kannst für Deine Interessen. Jetzt ist wieder Deine Fantasie gefragt und wir schauen uns Szenario Nummer zwei an:  Wie wäre es, wenn Deine Interessen auch die Interessen Deiner Kunden wären? 

Ach so. Darüber habe ich noch nie nachgedacht. Meine Interessen habe ich bisher immer als Ausgleich zu meiner Arbeit betrachtet. 

Jaja, schon klar. Aber was wäre denn, wenn es eine Verbindung gäbe zwischen Deinen sogenannten Interessen und Deiner Arbeit als Architekt? Ist das eine interessante Vorstellung oder ist es Dir wichtig, das grundsätzlich zu trennen?

Ich fänd´s schon ganz interessant. Wahrscheinlich würde es unser Gespräch leichter machen. Aber ich weiß nicht,  das kommt mir irgendwie trotzdem so Small Talk mäßig vor.

Das kommt drauf an, um was für sogenannte Interessen es sich handelt und in welchem Zusammenhang sie mit Deiner Arbeit stehen könnten. Ich nenne sie ‚sogenannte’ Interessen, weil es durchaus sein kann, dass sich hinter dem, was Du als Interesse bezeichnest, noch mehr verbirgt. Also, ich sag jetzt einfach mal, was ich denke. Vielleicht verbirgt sich sogar viel mehr dahinter. Vielleicht sogar ein tieferer Sinn. Ich weiß es ja nicht. Ist nur so eine Idee. Das kann sein, muss aber nicht. Vielleicht findest Du das ja völlig abwegig.

Naja, nein. Es ist schon mehr. Immer wenn ich mich mit meinen Interessen beschäftige, spüre ich eine starke Motivation. Wenn ich ehrlich bin, spüre ich die in meiner Arbeit eher selten so deutlich.

Und damit kommen wir zurück zu Szenario zwei. Dir gegenüber sitzt ein Mensch, der Dich kennenlernen will. Woran erkennst Du, dass Ihr gut in Kontakt seid? 

Woran? Hm. Also, ich merke zum Beispiel nicht, wie die Zeit vergeht. Wir haben die ganze Zeit etwas, worüber wir uns austauschen können. Ich habe fast das Gefühl, mit einem Freund zusammen zu sitzen. 

Ach so, noch etwas. Du beschreibst gerade ein Szenario, das ich wie einen Film vor mir auf der Leinwand betrachte. Kannst Du Dir das vorstellen?

Ja sicher.

Gut. Dann stell Dir bitte weiter vor, dass ich die gesamte Situation ohne Ton betrachte. Ich habe also keine Ahnung, was ihr Euch erzählt. Was sehe ich?

Du siehst mich, wie ich aufmerksam zuhöre, was mein Gegenüber erzählt, die Unterhaltung fliesst zwischen uns. Du siehst, wie sich mein Gesprächspartner und ich einmal entspannt zurücklehnen und wie wir uns wenige Minuten später wieder nach vorne beugen, intensiv ins Gespräch vertieft. Am Ende unseres intensiven Gesprächs stehen wir auf, wir lachen uns an und wir geben uns die Hand. Mein Gegenüber klopft mir auf die Schulter und wir nicken beide bekräftigend mit den Köpfen. 

Komisch, jetzt fallen mir auf einmal wieder Ingels und Chipperfield ein. Aber wenn sie schon mal da sind, könnten wir sie kurz nochmal ins Gespräch bringen. Was meinst Du?

Ach, naja, ich weiß nicht. Muss das sein? 

Ach so. Nein, natürlich nicht. Du entscheidest hier. Aber interessant find ich das schon. Warum sind die beiden jetzt nicht mehr wichtig?

Ich weiß auch nicht. Die haben im Verlauf unseres Gesprächs irgendwie an Schärfe verloren. Ich meine, es fühlt sich auf einmal ziemlich komisch an, sich mit denen zu vergleichen. 

Ich verstehe. Wie kommt das?

Eigentlich ist es doch klar. Hier geht es um mich und darum, wie ich richtig erfolgreich werde. Die Sache mit meinen sogenannten Interessen, die macht mich ja jetzt doch neugierig.

Wenn das so ist, dann habe ich einen Vorschlag für Dich. Du könntest Dich doch auf die Suche begeben nach dem  Zusammenhang zwischen Deinen sogenannten Interessen und Deiner Arbeit als Architekt.

Ich glaube, da hab ich jetzt richtig Lust zu. Ich finde das allerdings gar nicht so einfach. 

Da stimme ich Dir zu. Ich meine, das wäre ja dann vielleicht so eine Art Wachstumsprozess, in den Du Dich begibst. In dem Sinne, dass Du vielleicht aus etwas hinaus und in etwas Neues hineinwächst. Könnte ja sein. Wie klingt das?

Das klingt verheissungsvoll. 

Ein von mir geschätzter, leider zu früh verstorbenen Coach, Trainer und Autor Bernd Isert hat gesagt:  Persönliches Wachstum entsteht in Eigenverantwortung, doch nie allein.

Wenn Du gerne eine Reisebegleitung hättest – es ist ja tatsächlich so, vier Augen sehen bekanntlich mehr als zwei und so weiter – dann biete ich Dir an, dass wir das zusammen machen. 

Sehr gerne. Wann fangen wir an und vor allem wie fangen wir an?

 

Ich würde sagen, wir sind schon mittendrin. Die nächste Weggabelung ist vielleicht schon in Sicht. Was hältst Du von einer Stärkungspause? Also ich hab jetzt richtig Hunger bekommen. 

 

Fortsetzung folgt 

 

WÄRE ES NICHT WUNDERBAR, GENAU DIE KUNDEN ANZUZIEHEN, DIE DICH UND DEINE ARBEIT WERTSCHÄTZEN?

WÄRE ES NICHT SCHÖN, GENAU DIE PROJEKTE ZU HABEN, VON DENEN DU TRÄUMST?

WIE WÄRE ES, DER ARCHITEKT ZU WERDEN, DER DU SCHON IMMER SEIN WOLLTEST?

WIE WÄRE ES, DIE ARCHITEKTIN ZU WERDEN, DIE DU SCHON IMMER SEIN WOLLTEST?