Architekt

DAS PROBLEM IST NICHT DAS PROBLEM

DAS PROBLEM IST NICHT DAS PROBLEM

von Elke Anna Mehner

„Du hast vielleicht Nerven! Das kann ich auf keinen Fall machen. Wie stellst Du Dir das vor? Du hast ja keine Ahnung, wie meine Bauherren darauf reagieren würden. Und unter meinen Mitarbeitern würde wahrscheinlich die blanke Panik ausbrechen.”

Oliver hatte während seiner Antwort auf meine Frage, ob er sich vorstellen könne eine Pause einzulegen, um sich einen Urlaub zu gönnen, seine bis dahin entspannte Sitzhaltung aufgegeben. Jetzt saß er auf der Vorderkante seines Stuhles, tippte zu einem für mich unhörbaren Beat rhythmisch mit den Fußspitzen aufs Parkett und schaute mich durchdringend an. 

„Ich stelle mir gar nichts vor. Tatsächlich wollte ich mit meiner Frage Deine Phantasie anregen,” ich hielt kurz inne und konnte mir dann nicht verkneifen, lächelnd hinzuzufügen, „was mir ja auch gelungen ist.”

„Um mir vorzustellen, wie meine Bauherren und meine Mitarbeiter reagieren würden, muss ich meine Phantasie gar nicht bemühen. Das weiß ich einfach. Der neue Mitarbeiter wüsste nach ein paar Tagen schon nicht mehr, was er zu tun hätte und die anderen,” er wedelte mit der Hand durch die Luft, „die würden mal wieder sämtliche Ordnersysteme gründlich durcheinander bringen. Die kannst Du doch keine fünf Minuten alleine lassen. Das kenn ich schon.”

„Wenn ich Dich richtig verstanden habe, dann gehst Du auf dem Zahnfleisch. Waren das Deine Worte?”

„So ungefähr, ja.” 

Oliver hatte mich eine Woche vor diesem Treffen während unserer montäglichen Gratis Beratungsstunde angerufen. Seine Frage, warum es so schwer sei, die richtigen Mitarbeiter zu finden, hatte sich im Laufe unseres Gesprächs zwischen vielen weiteren Themen, die ihn brennend beschäftigten und die er unbedingt ansprechen wollte, verloren.

„Ich glaube, ich brauche mal eine ausführliche Beratung. Da gibt´s echt ne Menge, worüber sich zu reden lohnt.”

Ich hatte ihm vorgeschlagen, dass wir damit beginnen könnten, Struktur in die Vielzahl seiner Themen zu bringen und wir waren am Ende unseres Telefonats übereingekommen, in einer ersten 90 minütigen Sitzung das Thema Mitarbeiter anzugehen.

Hier saßen wir nun also und waren auf dem besten Weg, uns erneut in tausend und einem Thema zu verlieren.

Ich ließ meinen Blick durch das Fenster auf der gegenüberliegenden Gründerzeitfassade zur Ruhe kommen und wartete darauf, dass Pokey LaFarge mit  Something in the water das, inspiriert von Olivers rhythmischem Fußtippen, durch meinen Kopf groovte, zum Ende kam.

„Oliver, ich frage mich gerade, wieviel Sinn es macht, über das Finden der richtigen Mitarbeiter zu reden, solange Du auf dem Zahnfleisch gehst.”

Olivers tippende Füsse kamen abrupt zum Stillstand.

WENN DEIN GANZER KÖRPER AUFMERKSAM IST

WENN DEIN GANZER KÖRPER AUFMERKSAM IST

von Elke Anna Mehner

Johannas Gesichtsausdruck war schwer zu deuten. Ich tippte auf eine Mischung aus Angst und Ungläubigkeit. Ich entschied mich, erst mal den Mund zu halten und abzuwarten. 

Wir hatten an diesem Tag unseren Skype-Termin wie üblich mit einer Rückschau auf die letzten beiden Wochen begonnen. Johanna war meine Kundin in unserem Mentor Programm. Wir arbeiteten seit 4 Monaten zusammen und waren nun nach den Kapiteln Gründungsmythos und persönliche Herausforderung bei dem Kapitel angekommen, in dem es darum geht, die eigene Mission zu formulieren.

Zwei Frage-Antwort-Runden per Mail zum Thema lagen bereits hinter uns. Jetzt saßen wir beide vor unseren Computern. Johanna in ihrem Büro, ich an meinem Arbeitstisch in meiner Wohnung – und wir schauten uns an.