Ich bin Elke Anna Mehner.

Als Kind träumte ich davon, eine berühmte Schauspielerin zu werden. Ich stand oft stundenlang vor dem großen dreiteiligen Spiegel im Schlafzimmer meiner Eltern und offenbarte ihm, was ich der Welt sonst meist vorenthielt. Was sich zeigte war ein phantasievolles und kreatives, offenes, neugieriges und begeistertes kleines Mädchen. Ich vertraute dem Spiegel in selbst erdachten Schauspielstücken meine Ideen und Träume, Wünsche und Ängste an. Und der Spiegel zeigte mir all das, was ich ohne ihn nicht hätte wahrnehmen können. Ich konnte sehen, wann ich mitreißend und interessant, überzeugend und begeisternd oder - wenn mich die Inspiration verließ - manchmal eben auch langweilig und unglaubwürdig war.

Als die Zeit kam, mich für einen Beruf zu entscheiden, verwarf ich meinen Kindheitstraum nach einem halbherzigen und erfolglosen Versuch, meine Eltern von meinem Wunsch zu überzeugen. Doch ich hatte lange Zeit keinen blassen Schimmer, was ich stattdessen tun sollte. Ich wusste nur eines, es sollte ein kreativer Beruf sein. Ich entschied mich für die Architektur.

Ich habe nach meinem Studium vierzehn Jahre als Architektin gearbeitet. In dieser Zeit sind mir viele unzufriedene Kollegen und Kolleginnen begegnet. In jedem einzelnen von ihnen habe ich etwas von mir wiedererkannt. Einige waren auf der Suche nach dem tieferen Sinn ihrer Arbeit, andere beklagten sich über ein Leben, in dem es nichts als Arbeit gab, wieder andere waren den ewigen Wettbewerb leid. Was wir alle gemeinsam hatten, war der Wunsch, anders zu arbeiten, ja, anders zu leben. Doch wir alle waren auch tief verhaftet in den Strukturen, die wir beklagten. Und so änderten wir - nichts.

In meiner Zeit als angestellte Architektin habe ich erlebt, wie Mitarbeiter, die nicht in  definierten Strukturen arbeiten, sich diese Strukturen selber schaffen, weil sich kaum ein/e Büroinhaber/in je die Mühe gemacht hat, seine /ihre erprobten Strukturen in nachvollziehbaren Prozessen zu beschreiben. Deshalb musste er/sie die Arbeit der Mitarbeiter ständig überprüfen. Und so endete nicht selten ein langer Arbeitstag eines/r Inhabers/Inhaberin mit der ausgesprochenen Überzeugung: Alles muss man selber machen! Es ist leicht vorstellbar, welche Auswirkungen dieses Verhalten auf ein Büro-Team hat.

Ich habe später acht Jahre lang als Büropartnerin mit meinem früheren Ehemann gearbeitet. Und diesmal trug ich selbst dazu bei, dass die Rollen in unserem Büro ungeklärt blieben. Wir wiederholten die Fehler, die wir beide in anderen Büros bereits kennengelernt hatten. Unsere Mitarbeiter und wir arbeiteten sehr viel und manchmal ging es bergauf, dann wieder bergab. Das waren anstrengende Zeiten und irgendwann verging kaum noch ein Tag, an dem ich nicht dachte: Das muss doch auch anders gehen. Und spätestens da wurde mir klar, dass wir diese immer wiederkehrenden frustrierenden Zustände nur beenden können, wenn wir uns ernsthaft auf die Suche machen nach dem, was uns im Innersten bewegt und wenn wir herausfinden, in welchem Zusammenhang unser Beruf mit unseren Träumen steht. Mit dieser Erkenntnis begann meine berufliche Veränderung.

Im April 2009 lernte ich Volker Eich kennen. Er hatte einige Jahre zuvor den Strategiekreis für Architekten gegründet, der inzwischen SUPER GRUPPE heisst.  Ich nahm als Gast an einem seiner Strategiekreise teil. Dort erinnerte ich mich wieder wieder an meinen Kindheitstraum und sprach zum ersten Mal seit langer Zeit darüber. Ich spürte während dieses ersten Strategiekreises ganz deutlich, hier passierte etwas, das mich tief berührte. Ich hatte das Gefühl, ich komme in Kontakt mit dem roten Faden, der sich durch mein Leben zieht. Ein halbes Jahr später war ich selbst Mitglied eines Strategiekreises. Inspiriert und unterstützt durch die Arbeit mit dem Strategiekreis fand ich den Mut, mein Selbstbild zu hinterfragen und meine Mission zu entdecken, die in meiner eigenen Geschichte wurzelt. Doch bis zur Formulierung und Umsetzung meiner Mission hatte ich noch einen spannenden Weg zurückzulegen.

Nach langjähriger Zusammenarbeit mit meinem damaligen Ehemann, in der es uns weder gelungen war, unsere beruflichen Ziele, noch unsere eigenen und die Rollen der Mitarbeiter in unserem Büro zu definieren, beendeten wir im Jahr 2010 unsere Zusammenarbeit. Es war eine nervenaufreibende Zeit, in der wir kaum zur Ruhe gekommen waren. Am Ende zahlten wir einen sehr hohen Preis. Auch unsere Liebesbeziehung war gescheitert.

Ich brauchte nach unserer Trennung dringend einen Job und übernahm in einem Bauplanungs und Steuerungsunternehmen mit über 100 Mitarbeitern unter anderem die Aufgabe, das interne Qualitätsmanagementsystem als QM Beauftragte zu unterhalten. Dieses System war zertifiziert nach ISO 9001. Doch dieses System, so umfangreich es auch war, wurde von den Mitarbeitern nicht angenommen. Wieder konnte ich beobachten, wie Mitarbeiter, auf der Suche nach Strukturen, an Stelle von Arbeitsanweisungen, die sie nicht nachvollziehen konnten, ihre eigenen und oft sehr unterschiedlichen Strukturen erschufen. Und diesmal stellte ich mir ganz bewusst die Frage: Was fehlt? Die relevanten Fragen, die ein Architekturbüro, die jedes Büro zu einem funktionierenden Unternehmen machen, wurden von diesem QM-System nicht beantwortet. Welche Fragen sind relevant?

Warum gründet man ein Unternehmen? Welche Werte bringt man mit diesem Unternehmen zum Ausdruck? Wie erschafft man Anziehung und Zugehörigkeit? Wie erschafft man ein System, das die Voraussetzung erfüllt, gleichbleibende Qualität zu liefern? Wie sorgt man dafür, dass das vorhandene Wissen allen jederzeit zur Verfügung steht? Wie erschafft man gelingende und fruchtbare Kommunikation in einem Unternehmen? Wie steigert man die Effizienz in einem Unternehmen? Wie macht man das Erreichen von Qualität und Effizienz sichtbar und attraktiv für alle Mitarbeiter eines Unternehmens?

Was hatte ich gelernt? Im Gegensatz zu meinen vorangegangenen Erfahrungen gab es in diesem Unternehmen immerhin ein System. Doch das Problem war, es wurde nur eingeführt, um in öffentlich ausgeschriebenen Wettbewerbsverfahren größere Chancen zu erzielen. Demzufolge wurde das System lediglich als notwendiges Übel hingenommen, nicht aber als Instrument zur Unternehmensentwicklung eingesetzt. Als ich zu dieser Einsicht vorgedrungen war, habe ich das Unternehmen verlassen. Meine Suche ging weiter und der rote Faden, den ich nun deutlich spüren konnte, war mein Wegweiser bei den Fragen, die ich stellte. Was konnte ich beitragen, um einen solchen Zustand zu verändern? Und wem könnte meine Arbeit dienen?

Ich habe daraufhin mit vielen Freiberuflern gesprochen. Alle träumten davon, genau die Mitarbeiter und Kunden anzuziehen, die zu ihnen passen. Allen gefiel die Vorstellung von einem fruchtbaren und freundlichen Arbeitsklima in ihrem Büro, in dem alle Beteiligten motiviert sind. Keiner konnte sich vorstellen, wie genau ein System aussieht, das ihm dabei hilft, seine Träume Wirklichkeit werden zu lassen und wie er es überhaupt erschaffen könnte.

In einem zwei Jahre andauernden Prozess, in dem ich eine Coaching Ausbildung absolvierte, entschied ich mich, meine Architektenlaufbahn zu beenden. Heute weiß ich, es ist nicht die Schauspielerei, nicht das Agieren vor einem Publikum, worum es geht. Meine Stärke ist es, in Beziehung zu treten und andere Menschen dabei zu unterstützen, sich selbst zu erkennen und ihr Potential auszuschöpfen. Wir tragen bereits all das in uns, was uns zu beruflichem Erfolg führt. Ohne einen Dialogpartner können wir es jedoch nicht erkennen.

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Von August 2011 bis März 2016 moderierte ich gemeinsam mit Volker Eich die Strategiekreise. Im Oktober 2013 haben wir ein gemeinsames Unternehmen gegründet und unser Angebot um ein Mentor-Programm erweitert. Im März 2017 ist Volker nach schwerere Krankheit verstorben. Seit April 2017 führe ich unser Unternehmen alleine weiter. Die Themen, an denen ich mit unseren Kunden arbeite, betreffen die Entwicklung der Unternehmerpersönlichkeit, die Veränderungen im Unternehmen und deren Management, sowie die Entwicklung erfolgreicher Geschäftsmodelle. Die Zusammenarbeit mit meine Kunden, die ausschließlich Architekten und Bauingenieure,  Innenarchitekten und Landschaftsarchitekten sind, besteht aus persönlichen und virtuellen Treffen. Ich habe mich auf die Arbeit mit Architekten spezialisiert, weil ich, als ehemalig Architektin, in der Welt meiner Kunden zu Hause bin.

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