EIN NACHRUF

Zum ersten Mal scheint es mir nicht möglich, die Worte zu finden, die auszudrücken vermögen, was mich bewegt. Seit den frühen Morgenstunden des 21. März 2017 ist es still in mir. Nicht grundsätzlich. Nicht unaufhörlich. Nicht auf alles bezogen, was mich umgibt und was meine Aufmerksamkeit fordert.

Doch in mir ist eine Lücke entstanden. 

Der Mann, der mir seine Liebe geschenkt hat und fest an meiner Seite stand in allen Lebenslagen, der Mann, der mit mir die Welt ein Stück besser machen wollte, der eine Mission und ein Unternehmen mit mir teilte, er hat diese Welt verlassen.

Ich setze unseren gemeinsam begonnenen Weg fort, mit Leidenschaft und dem festen Glauben, einen wichtigen Beitrag zu leisten, mit meiner Arbeit, die geprägt ist von den Jahren, in denen ich mit Volker zusammen gearbeitet habe. Wir waren einander Lehrer und Schüler. Ich vermisse ihn. Er wird immer an meiner Seite sein.

Petra Froese war über einen Zeitraum von fast drei Jahrzehnten eine enge Vertraute von Volker. Als er und ich ein Paar wurden, waren Petra und Ihr Ehemann Markus die ersten Menschen, die Volker mir vorstellte. Wir mochten einander vom ersten Augenblick an und auch zwischen uns entwickelte sich über die Jahre eine tiefe Vertrautheit und Freundschaft.

Petra und ich waren es, die Volker auf seiner letzten großen Reise bis zu seinem letzten Atemzug zur Seite standen.
Wir waren mit ihm, als eines der für mich größtvorstellbaren Wunder geschah, das ich in ähnlicher Form nur bei der Geburt meiner Tochter erfahren durfte. Damals war es das Wunder, zu erleben, wie ein Mensch auf diese Welt kommt. Mit Volkers Sterben erlebte ich zum ersten Mal in meinem Leben den Moment, in dem ein Mensch diese Welt verlässt.

Petra hat kurze Zeit nach seinem Tod einen Nachruf auf Volker verfasst, in dem sie sein Leben, sein Wirken und auch sein Sterben auf liebevolle und ganz wunderbare Weise beschreibt. 

Ich möchte diesen Nachruf mit Dir und allen, die das Glück hatten, Volker persönlich zu kennen, teilen. 

Herzliche Grüße
Elke Anna Mehner

Ein Nachruf von Petra Froese         

Volker Eich *17.3.1954

Ein wiederkehrender Traum begleitete Volkers ganzes Leben. Darin flog er über weiße Laken, die sich ihm einladend und weich anboten, wellenförmig wogten, so als wehte der Wind darunter her, bereit, ihn aufzunehmen. Es war ihm jedoch unmöglich, zu landen.    

Ein großer Geist hat unsere Erde verlassen und die Welt ist ärmer um einen, der uns berührt, gefördert und gefordert hat, an dem wir uns reiben konnten und manchmal abarbeiten, der uns im Gespräch in höchste Höhen, zu fantastischen Visionen und auch in tiefste Tiefen mitzunehmen wusste. Diese Gabe, die gleichsam Kapital und Fluch gewesen ist, entsprang einem Leben zwischen zwei Polen, zwischen denen er zeitlebens immer wieder zerrieben wurde.

Volker hat am 21.3.2017 um 1:35 Uhr nach schwerer Krankheit seine Erdenreise vollendet. Ihm, der bei den Themen seines Lebens einen langen Atem hatte, fiel am Ende das Atmen sehr schwer.

Er war ein kluger, ernsthafter, sensibler und warmherziger Mann, dessen Ehrlichkeit keine Ausnahme kannte. Wie ein tiefer klarer Brunnen war sein Wesen. Alles, was er aufnahm, fiel tief bis auf einen fruchtbaren Grund.

Sein Lebensweg war geprägt von Lernen und Erforschen, Suchen und Sehnen, Experimentieren und Gestalten. Mit seiner Wärme, seiner Feinsinnigkeit und seinen scharfen Antennen vermochte er bei anderen verborgene Türen zu öffnen.

Mit seiner Strenge hat er es vor allem sich, aber auch anderen Menschen oft nicht leichtgemacht. Volker wurde niemals müde, es mit allem aufzunehmen, was sich seiner Wahrheit in den Weg gestellt hat. Er vertrat hohe menschliche Werte. Seine bedingungslose Ehrlichkeit konnte wohltuend und schmerzhaft sein.

Mit seiner Arbeit als Coach hat Volker viele Menschen berührt und einige wurden verwandelt. Durch seine Weisheit, seine Neugier und sein weites Herz strahlte er eine große Anziehung aus, konnte begeistern und motivieren, neue Wege zu gehen und ausgetretene Pfade zu verlassen. Er war ein Visionär. Dadurch, dass er die Messlatte stets hochlegte und niemals auswich, brachte er viele Menschen im Leben voran. Mit seiner großen Beobachtungsgabe entging ihm nichts.

Mit Volker haben wir einen Freund, wunderbaren Gesprächspartner und unbequemen Fragensteller verloren, der vom Reisen träumte, die Sonne und das Meer liebte, die Feuerberge auf Lanzarote, ein großes Spektrum an Musik, die Fotografie, Kunst und Architektur und nicht zu vergessen, schöne Frauen, von ihm in echtem Kölsch „lecker Mädschen“ genannt. Gerne streifte er zu Fuß durch seine Lieblingsstadt Berlin und nahm alles in sich auf. Die Jahre in Berlin-Friedenau mit Elke Anna Mehner vor dem gemeinsamen Umzug nach Leipzig im September 2013 waren nach seiner eigenen Aussage seine glücklichste Zeit.

Er war ein Meister der Selbstmotivation und angeschlossen an einen unerschöpflichen Quell neuer Ideen, Konzepte und Strategien. Die frühen Morgenstunden waren stets seine gnadenreiche Zeit. Wenn auch nicht religiös, so war sein Glaube doch tief und Gebete vermochten ihn zu berühren, besonders der Psalm 23. Sein größter Glaube jedoch war sein Glaube an Wunder, daran, dass alles möglich ist, zu jeder Zeit. So hat er auch bis zuletzt daran geglaubt, aus eigener Kraft wieder gesund werden zu können.

Volker war voller Liebe, die viel Raum und Stille brauchte, um sich zu entfalten. Seine Art, Liebe zu zeigen, war sehr speziell und vorsichtig. Fühlte er sich unverstanden, was für ihn gleichbedeutend war mit ungeliebt, dann konnte er ins Wüten kommen. Seine Lieblingsfarbe war Gold. Gold hat ihn beruhigt und golden sah er seine Mitte. Aus dieser Mitte heraus war er fähig und bereit zu reflektieren und zu vergeben.

Volker ist seinen Lebensweg immer wieder auch allein gegangen. Er zog die Einsamkeit jeglichem Kompromiss vor, selbst dann, wenn es ihn schmerzte oder ängstigte und obwohl er im Herzen von etwas anderem träumte. Sein größter Wunsch war es, in einer Beziehung vollkommen anzukommen.

Am Ende war er nicht allein. Aufgehoben, geliebt und umsorgt von seiner Lebenspartnerin Elke Anna und seinen beiden engsten Freunden, meinem Ehemann Markus und mir, starb er so langsam wie er gelebt hatte und lag im Tode wie ein König, friedlich in seiner ganzen Größe und Schönheit. Und sein Gesichtsausdruck schien immer noch zu sagen: Sterben ist keine Option. Dass wir auf diese Weise für ihn da sein durften, berührt uns sehr tief und lässt uns friedlich zurück.

Jetzt hat sich sein Traum erfüllt. Er ist gelandet und wurde von den weichen Laken aufgefangen. Traurig und voller Dankbarkeit schauen wir auf sein Leben, in dem er Sohn, Bruder, Onkel, Neffe, Enkel, Ehemann, Geliebter, Wegbegleiter und Freund gewesen ist, Lehrer, Architekt, Fotograf, Künstler, Coach und Mentor. In unserer Erinnerung bleibt er lebendig.