DER BRANDSCHUTZPAPST

von Volker Eich

Als Reinhard Eberl-Pacan entschied, sich als Experte zu positionieren, statt weiterhin als Rundum-Architekt tätig zu sein, war für ihn klar, dass er der Brandschutzpapst werden wollte. Auf den ersten Blick mag dieser Anspruch ein wenig unbescheiden erscheinen, bei genauerer Betrachtung offenbart sich in ihm aber eine Strategie, die sich immer wieder als hoch wirksam erwiesen hat. Reinhard hat eine neue Identität angenommen und dann hat er sich auf den Weg gemacht, um Schritt für Schritt in sein neues Selbstbild hinein zu wachsen.

Reinhard hatte 1999 sein eigenes Architekturbüro gegründet. An der Spitze eines Teams von bis zu 30 externen Architekten, Bauleitern, Bauunternehmern managte er unter hohem Zeitdruck deutschlandweit Planungsaufträge und Bauleistungen für Internet-Unternehmen. Doch dann kollabierte der Neue Markt, die Dotcom-Blase platzte, über Nacht war der ganze Zauber vorbei. Reinhard fühlte sich ausgebrannt und ideenlos.

In der Folge verzettelte er sich in Aktionismus, der meist nichts einbrachte als Frust und Feinde. Nach ein paar Jahren der Stagnation hatte er das Gefühl, dass es so nicht weitergehen konnte und dass er eine grundlegende Veränderung vornehmen musste: vor allem an sich selbst!

Die Herausforderung bestand darin, nicht mehr zu allem Ja und Amen zu sagen, sondern sich auf seine Vision und auf seine eigenen Ziele zu besinnen. 

Reinhard war im September 2008 Mitglied der Super Gruppe geworden, die damals noch Strategiekreis Architekten hieß. Seine drängendste Frage war damals: Wie gestalte ich das Marketing für meine Spezialisierung?

Die Mitglieder der Super Gruppe hatten damals jedoch eine ganz andere Frage an ihn:

Warum Brandschutz?

Für Reinhard schien die Sache klar. Erstens: Sein Interesse für den Brandschutz speiste sich aus einem allgemeinen, damals noch unspezifischen Interesse am Baurecht. Zweitens: Die neue Bauordnung gab Architekten mit Bauvorlageberechtigung die Möglichkeit, Brandschutznachweise als sogenannte bautechnische Nachweise – ähnlich einem statischen Nachweis – aufzustellen und sie, unabhängig von der Bauaufsichtsbehörde, von einem Prüfingenieur für Brandschutz prüfen zu lassen. Drittens: Ein Freund von Reinhard bot den entsprechenden Planerkurs „Brandschutz“ bei der Architektenkammer an und Reinhard ergriff die Gelegenheit.

Schön und gut. Das klang ja alles sehr pragmatisch, aber woher kam seine Motivation? Die Mitglieder der Super Gruppe blieben skeptisch. Reinhard hatte sie noch nicht überzeugt. Aber das lag vielleicht auch daran, dass die meisten von ihnen die Möglichkeit der Spezialisierung insgesamt kritisch sahen. Kaum einer von ihnen war damals bereit, selbst diesen Weg zu gehen.

Reinhard zog seinen Trumpf aus dem Ärmel. Ihn interessierte der Brandschutz vor allem im Zusammenhang mit dem Holzbau. Der Holzbau war für ihn das Salz in der Suppe. Wenn schon Brandschutz, dann für ein herausforderndes, weil brennbares Material. Wie wir wissen, ist der Holzbau aufgrund von Brandschutzanforderungen bei höheren Gebäuden in der Innenstadt im Grunde nicht möglich. Dagegen wollte Reinhard zu Felde ziehen und er begann eine eigene herausfordernde Vision zu entwickeln.

Die Super Gruppe wirkte auf Reinhard wie ein Katalysator. Sie zwang ihn, seine Ideen und Vorstellungen von seiner Strategie im Kollegenkreis zu formulieren. Die Gruppe war ihm eine stetige Herausforderung, denn Reinhard wollte diejenigen der Teilnehmer, die nicht an seine Vision glaubten überzeugen.

Mit der Zeit stellten sich die ersten Erfolge ein. Reinhard wurde aufgefordert, erste Angebote für Brandschutznachweise abzugeben. Natürlich zweifelte er selbst noch am Erfolg seiner Spezialisierung, denn solange er mit Brandschutz im Holzbau nicht genügend Umsatz generieren konnte, war es nicht einfach, andere Anfragen abzulehnen.

Reinhard besann sich darauf, dass er früher einmal als Journalist gearbeitet hatte und so begann er wieder zu schreiben. Innerhalb kürzester Zeit gelang es ihm, erste Artikel in Fachzeitschriften zu publizieren, die seine Expertise bekannt machten.

 Zu diesem Zeitpunkt war Reinhard noch als Einzelkämpfer unterwegs und in ihm keimte der Wunsch nach Mitarbeitern, die sich um die Projektarbeit kümmern, während er sich selbst seinen unternehmerischen Aufgaben widmen konnte. Es dauerte nicht lange und der erste Mitarbeiter war gefunden.

Ein Riesenproblem bildete damals natürlich die anfänglich schleppende Auftragssituation und mangelnde Effektivität im Büro. Die größte Herausforderung, die Reinhard zu meistern hatte, bestand in dem inneren Bekenntnis zu seiner Rolle als Unternehmer. Er musste seine gewohnte Rolle als selbständiger Einzelkämpfer aufgeben. Das bedeutete vor allem, sich Herausforderungen im Bereich der Mitarbeitergewinnung und Mitarbeiterführung zu stellen. Hier konnte er auf keinerlei Vorbilder oder Vorerfahrungen zurückgreifen und musste voll auf seine Auffassungsgabe bauen und sich auf sein Gefühl verlassen. Es galt, alte Glaubenssätze - Ich kann das nicht - über Bord zu werfen und darauf zu vertrauen, dass alles, was er aus dem Bauch heraus machte, einfach richtig war. In den letzten Jahren hat Reinhard viel Energie, Zeit und Geld in die Aus- und Fortbildung seiner Mitarbeiter investiert, was über eine längere Zeit zu Verlusten führte. Glücklicherweise hat sich das inzwischen ins Positive gewendet.

Heute hat Reinhard acht Mitarbeiter und der Anteil der Projekte, bei denen es um Holzbau geht, liegt bei 40%, Tendenz steigend. Eberl-Pacan Architekten + Ingenieure Brandschutz, wie das Unternehmen offiziell heißt, bietet inzwischen zu 99% Brandschutzleistungen im Bereich der Beratung, Planung und Bauleitung.

Der Name steht gleichermaßen für Innovation und Pragmatismus im Brandschutz. Es besetzt Bereiche, die unsicher, unbekannt und heikel sind, etwa den Holzbau oder komplizierte Rettungswegsituationen beim Denkmalschutz, auf die sich andere Brandschutzplaner nicht vorwagen.

Reinhard und seine Mitarbeiter arbeiten praktisch und theoretisch an innovativen Brandschutzkonzepten, etwa Cluster-Systeme für Schulen, Brandschutz auf Baustellen, Brandschutz für Wärmedämm-Verbundsysteme, neue Möglichkeiten für Sicherheitstreppenräume usw. Sie bieten stets eine breite Palette alternativer Möglichkeiten an, den Brandschutz für ein Projekt umzusetzen und schaffen den Architekten dadurch breite Spielräume für ihren Entwurf und gleichzeitig eine Absicherung vor Haftungsrisiken.

Im Bereich des Holzbaus arbeiten sie vor allem an der Entkoppelung der Begriffe feuerbeständig und nicht brennbar. Nach der Musterbauordnung müssen Bauteile, die feuerbeständig sein müssen, 90 Minuten Feuerwiderstand bieten und zusätzlich aus nichtbrennbaren Baustoffen hergestellt sein.

Reinhard befürwortet Lösungen, bei denen feuerbeständige Bauteile weiterhin einen Feuerwiderstand von 90 Minuten aufweisen, deren Herstellung aber aus brennbaren Baustoffen zulässig ist. Holz brennt sicher und hält bei entsprechender Dimensionierung wie andere Baustoffe über 90 Minuten dem Feuer stand. Bei der Verwendung von Holz gibt es so keine Einbußen an Sicherheit.

Reinhards Auftraggeber sind überwiegend Bauherren. Mit seiner Positionierung ist Reinhard das Kunststück gelungen, seine ehemaligen Mitbewerber zu Verbündeten zu machen, denn es sind in der Regel Architekten, die ihren Bauherren empfehlen, welcher Fachplaner für den Brandschutz beauftragt wird. Architekten sind für ihn heute keine Konkurrenten mehr, sie sind die wichtigsten Multiplikatoren. Sie profitieren auch als erste unmittelbar von einer optimalen Brandschutzplanung und können diese Vorteile dann an den gemeinsamen Bauherrn weiterreichen.

Reinhard hat dem Brandschutz ein Gesicht gegeben.

Ich übertreibe nicht, wenn ich behaupte, Reinhard hat dem Brandschutz ein Gesicht gegeben, denn in den sozialen Medien ist er omnipräsent. Facebook, Twitter, YouTube und Xing waren von Anfang an ein integraler Bestandteil seiner Kundenkommunikation. Die sozialen Netzwerke dienen ihm dazu, seine Bekanntheit zu fördern und ein Publikum für seine Veranstaltungen zu gewinnen.

Ebenso wichtig ist es natürlich, mit seinem Publikum auch im wirklichen Leben in Kontakt zu kommen. Vor etwa zwei Jahren hat Reinhard die Brandschutz Akademie Berlin ins Leben gerufen. Die Akademie dient der Diskussion, der Vermittlung und der Durchsetzung von Brandschutz-Wissen, vor allem für Bauherren und Architekten. Für Reinhard ist sie eine Plattform, auf der er die Berliner Brandschutz Fachgespräche veranstaltet und auf der er in Zukunft seine Aktivitäten in Form von Vorträgen, Ausbildungsangeboten und Veröffentlichungen vorantreiben will.

Aber damit nicht genug. Seit fünf Jahren lädt Reinhard in Berlin alle zwei Monate zum Brandschutz-Bier, einem inzwischen bundesweiten Netzwerktreffen von Brandschutz-Interessierten. Der Nutzen für die Teilnehmer ist das unverbindliche, lockere Kennenlernen untereinander in angenehmer Atmosphäre. Es wurde geboren aus der Erfahrung, dass es oft schwer ist, für bestimmte Aufgabenstellungen die richtigen Partner bzw. Lösungsanbieter zu finden. In solchen informellen Treffen findet sich der passende Deckel zum richtigen Topf oft viel einfacher. Reinhard ist bei diesen Treffen fast immer persönlich anwesend.

Durch die Kombination von Theorie und Praxis im Brandschutz ist er in weiten Teilen der Brandschutz-Szene inzwischen bekannt und anerkannt. Das schlägt sich zunehmend in der Nachfrage nach Vorträgen, Seminaren, Teilnahmen an Gremien, Interviews für Magazine, Film, Funk und Fernsehen und natürlich in steigenden Umsätzen des Büros nieder.

Wer so energisch und lautstark nach vorne prescht, wie Reinhard es teilweise tut, schafft sich natürlich auch Feinde. Das ist für ihn aber nicht wirklich ein Hindernis, er sieht das eher unter dem Motto: Viel Feind, viel Ehr und geht locker damit um.

Reinhards Büro gehört im Segment Brandschutz im Holzbau inzwischen zu den fünf wichtigsten Büros in Deutschland, in Berlin steht es an der Spitze. Bei anderen aktuellen Brandschutzthemen ist das Unternehmen zum Teil Meinungsführer und es gehört zu den 10 wichtigsten Brandschutz-Büros in Deutschland.

Bleibt eigentlich nur noch ein letzter Schritt, um sich als Brandschutzpapst zu positionieren.

brandwende.com

 

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